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5. Spieltag 1.B Junioren Fort. Pankow-Ama

lucky punch in Pankow
AMATEURE mit Fortuna im Bunde
Fortuna Pankow – SC Berliner Amateure 1-2 (0-1; 1-1)
„Sie wollten stärkere Gegner, jetzt haben sie sie“ lautete das knappe Fazit von Michael im Anschluss an die
Partie bei starken Fortunen in Pankow. Kurz und bündig. Es war der Tag der einfachen Wahrheiten, des
einfachen Fussballs mit seinen einfachen Tugenden. Rennen und Kämpfen statt Zaubern und Tricksen.
Technische Kabinettstückchen, filigranes Pass-Spiel, herrlich herausgespielte Tore – davon war heute wenig
zu sehen – stattdessen viel Kampf und leider auch phasenweise Krampf. Und vielleicht lag es an der
lateinischen Namenspatronin des heutigen Gastgebers, dass es drei Punkte für das Gästeteam gab.
Vereine hört die Signale ..
Die Signale, sie wurden gehört. Wenn du schon mal oben bist, wird jedes Spiel schwer. Die Gegner haben
Respekt, stellen sich hinten rein und mauern, um dann zu kontern. Abgesehen von der Spielvereinigung
Tiergarten haben das bislang alle anderen Gegner praktiziert und auch die Fortunen in Pankow mit ihrer
skurrilen Mischung aus baumlangen Kerls und kleinen Spielern in den quietschgelben XXL Trikots, sie
beherzigten das, was ihnen der sympathische Trainer wohl als einfache Rezeptur mit auf den Weg in diese
Partie gegeben haben wird: den Gegner kommen lassen, ihn Anlaufen, die Räume dicht machen, defensiv
kompromisslos verteidigen und mit langen Bällen den Top-Stürmer in Szene setzen. Guter matchplan.
AMA mit Geduld zur Führung
Und es klappte gut. Die AMATEURE brauchen fast 10 Minuten bis zur ersten guten Gelegenheit, dann noch
mal 5 bis zur zweiten. Na sowas, kein frühes Führzungstor ! Schnell wird klar, dass das hier eine ganz enge
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Kiste werden könnte. Max, Luis und Umut treten wie ein klassischer Drei-Mann-Sturm auf, angeschoben
von Julius, Linus und Ari, während Noah und Hannes als defensive Aussen tief stehen und Ahmad und
LeonD sich um den schwersten Brocken im Fortunen-Sturm, um Theodor, kümmern. Abdul in Vertretung
für Jakob heute zum dritten Mal im Tor – eine gute Mischung.
Zunächst also Abtasten. Vorne ist wenig Durchkommen, die Schnittstellen werden gut verdichtet, die
Zweikämpfe kompromisslos geführt, Max und Co. perlen daran ab wie Spiegeleier an der Teflonpfanne.
Zwei, drei Weitschüsse fliegen aufs Tor, ein Kopfball und schliesslich ein schöner Freistoss von Ari, der
knapp über die Latte zischt. Aber alles keine Gefahr. Bis zur 21. MInute: Endlich ist Platz da zum Kontern,
bekanntermassen die grösste Stärke des AMA-Teams, wenn es schnell und direkt über die Aussen geht.
Und es klappt: Ari, Linus, Luis kombinieren sich durchs Mittelfeld, dann Max mit einem grandiosen
Querpass auf den mitgelaufenen Umut und der aus vollem Lauf zum verdienten Führungstreffer. Mit der
Führung im Rücken drängen die AMAs jetzt auf den zweiten Treffer. Luis hat die Riesenchance zum
Zwonull, aber der aufmerksame Fortunen-Keeper wehrt den Ball gekonnt ab.
Wäre der Ball rein gegangen, die AMAs hätten den Gegner sicher im Griff gehabt, so aber beginnt eine
unauffällig-zuammenhängende-Kette von Ereignissen, die das Spiel langsam kippen lässt. Linus wird von
Ahmad angeschossen und muss das Spielfeld verlassen; Elias kommt, besetzt die rechte Aussenbahn und
Luis rückt dafür auf die Sechs ein. Weitere Wechsel folgen, unter anderem auf der Sechs. Das Übergewicht
im Mittelfeld nimmt ab und das ohneschin schon zusammen geschrumpfte Aufbau- und Flügelspiel der
AMATEURE versandet nach und nach, während die Fortunen sich ihrer Stärken besinnen und ins Spiel
kämpfen. Chancen werden Mangelware, das Spiel bekommt einen anderen Charakter, gerät zu einem hin
und her. Keins der beiden Teams hat eine erkennbare Spielideen. Man neutralisiert sich für den Rest der
ersten Halbzeit.
Zweite Halbzeit: Erst unterirdisch der dann furios
Mit gutem Pressing und schnellen Vorstössen erhöht Fortuna Pankow jetzt den Druck. Sie wollen den
Ausgleich; ziehen sie ein ums andere Mal bis an den Sechzehner heran, wo ABDUL bislang mit
hervorragendem Stellungsspiel den Sechzehner beherrscht. Aber der Druck nimmt zu. Luis und Ari können
die Löcher nicht mehr richtig stopfen, die im jetzt hinteren Mittelfeld entstehen. Da werden zu viele Bälle
in der Vorwärtsbewegung verloren, wird zu nachgesetzt, ist zu wenig Bewegung in der
Rückwärtsbewegung. Mit Ausnahme von Julius, der schon in der ersten Halbzeit am konstantesten spielte,
der läuft und viele Angriffe der Fortunen zumindest ins Stocken bringt. Eine gleiche herausragende
Leistung zeigt in dieser Phase des Spiels die Viererkette mit Noah, Adbul. Leon und Hannes, die allerdings
von ihren Vorderleuten oft im Stich gelassen wird und schliesslich den Ausgleich zum 1-1 nicht verhindern
kann, als Theodor dann doch einmal entwischt ist und mit einem gekonnten Heber über den heraus
laufenden Abdul trifft; Hannes‘ Klärungsversuch hatte nicht geklappt.
Fortuna im Aufwind
Es winken den Fortunen von nun an ein bis drei Punkte gegen den Spitzenreiter, der sich immer noch
indisponiert und geschockt präsentiert. Eine erkennbare Parallele zum Tiergarten-Spiel. Während die
Fortunen sich gegenseitig anfeuern, Lunte riechen, Kräfte frei setzen und selbstsicher aufspielen, schaffen
es die AMAs nur Dank der herausragenden Leistung einiger Spieler, sich durch diese schwierige Phase
hindurch zu retten: Hannes und LeonDiego halten die Zentrale mit Mühe dicht, Vincent und Noah stopfen
die Löcher auf den Flügeln und kurbeln vor allem mit Julius das Spiel nach vorne an. Es beginnt die
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entscheidene Phase des Spiels. Wem gelingt hier der Treffer ? Es könnte der Spielentscheidende sein.
Beide Teams drehen am Rad
Noch 10 Minuten. Mittlerweile hat auch der unsichbare Dritte -gemeint ist der Schiedsrichter- mit
kuriosen Entscheidungen für schlechte Stimmung gesorgt, weil er den AMATEUREN zwei Foulelfmeter
verweigert und ihre Reklamationen und Proteste mit autokratischem Gehabe und zackigen gelben Karten
wegen Meckerns abkanzelt. Reden is hier nich, piep, aber De-Eskalation geht anders. Aber so isses halt im
Fussball. Das Adrenalien fliesst, der Puls schwillt an, auch bei uns am Spielfeldrand. Es wird hektisch.
Noch sind es 5 Minuten. Die Spieler spüren, dass sie noch mal alles geben müssen: Rennen, Kämpfen,
Pressing. Über gewonnene Zweikämpfe verdichten sie den Raum vorm Sechzehner, lassen Pankow mit
Mann und Maus verteidigen, schiessen Ecken, Freistösse, scharfe Flanken und lange Bälle von hinten
heraus – man nennt es auch Brechstangen-Fussball, aber auch das können die AMAs: Julius, Max und Elias
haben Chancen, versuchen es aus kurzer Entfernung, aber der überragende Fortunen-Keeper hält,
schliesslich donnert der Ball nach einer Ecke aus dem Gewimmel wembleymässig an die Unterkante der
Latte und springt vor der Linie wieder auf – nicht auszuhalten diese Dramatik. Und die Fortunen im Glück,
aber noch ist nicht Schluss.
Fortuna, die Göttin des Glücks, schüttet ihr Füllhorn über den AMATEUREN aus
Julius, der beste Spieler auf dem Platz und man of the match, krönt seine bärenstarke Leistung, als er in der
zweiten Minute der Nachspielzeit in seiner unnachahmlichen Art den Ball zum umjubelten ZwoEins ins
lange Eck donnert ! Ein Tor, das Du gerne noch mal in Zeitlupe in der Sportschau sehen möchtest, weil es
Dich so glücklich macht. Was für ein finish !
Als der Schiri wenig später humorlos abpfeift, ist die Freude riesig. Noch mal den Kopf aus der Schlinge
gezogen, könnte man sagen. Punktverlust abgewendet, weisse Weste behalten. Das war ein denkwürdiges
Spiel gegen einen richtig guten Gegner, der es heute geschafft hat, die Schwachstelle im Amateureteam
aufzudecken und die lautete, dass einige Spieler es sich sehr einfach machen und vielleicht denken, dass ja
alles sowieso von selbst läuft, ausser man eben selbst.
Vielleicht war das der richtige Warnschuss zur rechten Zeit, schliesslich gastiert morgen zum Pokalspiel auf
dem Zülli der punktgleiche Rivale um die Tabellespitze: Der SV Lichtenberg.
Wir sehen uns !
Für AMA spielten:
Abdul – Hannes, Vincent, LeonDiego, Ahmad, Noah – Ari, Linus, Julius, Kerem, Rami, Max, Luis, Elias
Die Tore:
0-1 (21., Umut, A: Max) // 1-1 (64. Winkelmann), 1-2 (80. + 2; Julius)
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